Mehr und mehr Therapeuten legen sich eine Zusatzausbildung im Schamanismus zu, bieten Visionquests, Schamanische Reisen, Trommelsessions an. Und waren die ursprünglichen Schamanen nicht auch Psychotherapeuten für ihren Stamm, standen sie nicht zur Heilung und auch Beratung bereit? Der französische Ethnologe Lévi-Strauss sah nur einen grundlegenden Unterschied zwischen Psychoanalyiker und Schamanen, nämlich dass Erstere eher zuhörten, während Letztere zu ihren Patienten sprachen. Hat er recht, oder gibt es noch mehr Unterschiede? Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo überschneiden sich die Bereiche?
Mit Beiträgen von
Wolf-Dieter Storl Winfried Picard Roland Urban Gerhard Popfinger Anita Aschenbrenner Katja Neumann Wolf Schneider
Rich Schmidt und anderen
Schamanismus und Archaische Heilmethoden für eine bessere Welt
Schamanen sind Hüter der Erde
Schamanismus ist eine uralte Heilmethode, die heute wieder populär geworden ist. Die Seele des Menschen steht im Mittelpunkt der schamanischen Arbeit.Es wird im schamanistischen Sinne davon ausgegangen, dass bei Krankheiten, und psychischen Belastungen die Seele nicht mehr im Körper sein möchte. Nach alter Tradition geht der Schamane auf Reise in die Nichtalltäglichen Wirklichkeiten, um dort die verlorenen Seelenanteile zurückzuholen. Wie es möglich ist sich selbst zu heilen, beschreibt Greta Hessel in ihrem Buch „Wege einer Schamanin“
Noch bevor es Ärzte gab, waren die Schamaninnen und Schamanen die Heiler der Gesellschaft.
Von Indien verbreitete sich der Schamanismus über Sibirien in der ganzen Welt.
Erst in den Hochkulturländern wurde der Schamanismus durch die Religionen verdrängt. Organisiertes Priestertum verdrängte die schamanische Funktion, vor allem wurde das weibliche Schamanentum zurückgedrängt durch patriarchalische Systeme. Der weibliche Schamanismus ist aber kulturhistorisch der ältere und ursprünglichere. Eine Frau ist von Natur aus Schamanin, weil sie dem Archaischen tiefer verwurzelt ist als der Mann. Die Frau ist als organisches Wesen mit ihrer monatlichen Regel dem Kosmos durch die wiederholten Initiationen naturhaft angeschlossen. Durch das Gebären kann sie unter Todesgefahr neues Leben spenden und als Mutter hat sie die schamanische Funktion des Helfens und Heilens. Die Natur ist ebenfalls weiblich. Der Mann muss, wenn er zum Schamanen berufen wird, von einer Frau initiiert werden. (Mühlmann, Philosoph)
Leider haben wir aber heute den Zugang zu diesen archaischen Kräften verloren. Wir leben in einer technisierten Welt, können uns alles leisten, doch die Seele leidet immer mehr unter Stress und Entfremdung. Der Mensch wird krank und Allergien werden immer häufiger. Krebs, Umweltkatastrophen und Angst bedrohen den Menschen. Hierin nun besteht die Aufgabe der Schamanen: die Balance zwischen Mensch und Natur und die natürliche, glückbringende Lebendigkeit wiederherzustellen.
Was sind archaische Heilmethoden?
Archaische Heilmethoden sind altbewährt. Der Schamane heilt in erster Linie die Seele. Denn wenn ein Mensch krank wird, heißt das, daß seine Seele nicht in seinem Körper sein will. Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir noch in die göttliche Einheit eingebunden. Doch bald schon machen wir die ersten negativen Erfahrungen und Verletzungen. Deshalb fangen wir an, schnell einen dicken Panzer um uns herum zu bauen. Je dicker der Panzer, um so größer die Verdrängung. Die Seele weicht immer mehr zurück, die Selbstzerstörung des Körpers fängt an. (Unter Selbstzerstörung verstehe ich Süchte und sämtliche psychosomatischen Krankheiten, wie schlechter Schlaf, Konzentrationsmangel, Beziehungsunfähigkeit, Essstörungen, Aggressivität usw..) Hier nun besteht die Arbeit des Schamanen darin, die Seele wieder in den Körper zurückzuholen, was gleichzeitig eine ganzheitliche Heilung bedeutet. Die schamanischen Heilmethoden sind wesentlich länger geprüft worden, als beispielsweise die Psychotherapie und verschiedene andere therapeutische Techniken. Die Weltgesundheitsorganisation hat auf ihrem Kongress 1980 beschlossen, dass den schamanischen Methoden die gleiche Bedeutung in der Heilung psychosomatischer Krankheiten zukomme wie die der europäischen Medizin. Ungeachtet seiner religiösen und philosophischen Ausrichtung können sie von jedem Menschen im täglichen Leben angewendet werden.
Seelenzurückholung
Was ist Krankheit im schamanischen Sinne?
Wenn der Mensch geboren wird, ist er meist noch mit seiner Göttlichkeit verbunden. Doch bald entstehen die ersten Verletzungen. Die Bedürfnisse des Kindes werden nicht erfüllt. Es schreit, weil es Hunger und Durst hat, oder die Windel zu lange naß ist. Es schreit, weil es Zuwendung braucht oder Schmerzen hat. Und wenn ein Kind in diesem Zusatnd alleine gelassen wird, entstehen viele kleine seelische Wunden. Vater und Mutter nehmen ihre Lehrerfunktionen nicht mehr richtig wahr. Das Kind fühlt sich verloren, oder es bekommt nicht genügend Nestwärme, vielleicht sogar Schläge. Die Psychologen nennen diese Verletzungen Trauma. Der Mensch fängt an seine Gefühle zu verdrängen. Da die Seele in diesem Körper nicht sein will, sucht sie sich die für sie nächste Möglichkeit auszuweichen, nämlich die Krankheit. Die Aufgabe des Schamanen besteht nun darin, die ausgewichenen Seelenfragmente wieder zurückzuholen. Erst dann kann ein ganzheitlicher Erneuerungsprozess in Gang gesetzt werden. Das erklärt auch, warum manche Menschen nicht gesund werden, obwohl sie in guter Behandlung sind. Die Seele will gar nicht zurück, weil die Umstände nicht geändert wurden.
Copyright: Greta Hessel
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